Das Labor – wer wir sind

Es ist Zeit innezuhalten … Es ist Zeit nachzudenken! Angeblich werden wir schon in Kürze Maschinen bauen, die uns intellektuell für alle Zeiten überflügeln. Und mit modernster Genetik schaffen wir völlig neue Lebensformen aus der Retorte. Selbst das Paradies ist in Zukunft menschengemacht: Traut man den digitalen Propheten, dann lässt sich die Seele bald in Nullen und Einsen aus dem Hirn auslesen und wird in die weltumspannenden Datennetze eingespeist, wo sie ewig leben soll. Ein digitaler Garten Eden. Schicken wir uns an, den Göttern ebenbürtig zu werden?

Wie sollen wir uns zu so radikalen Umbrüchen stellen? Was fördern und was vielleicht bremsen? Und vor allen Dingen: Wie sieht in so bewegten Zeiten ein erfülltes Leben aus? Mit dem Philosophischen Labor wollen wir einen Raum schaffen, um solche Fragestellungen zu erörtern und uns Antworten zu nähern.

Es gehört seit jeher zu den Domänen der Philosophie, Erkenntnisse der Wissenschaften zu hinterfragen und auch die Konsequenzen für das eigene Leben zu durchdenken. Es stellt sich in der gegenwärtigen Situation aber die Frage, ob die Philosophie der Vorsokratiker, Platons, Descartes oder Kants diesen Ansprüchen in Gänze genügt. Natürlich ist es wichtig, sie zu kennen. Aber wir werden wohl nicht umhin kommen, Denkwerkzeuge entwickeln, die über das bisher Dagewesene hinausgehen. Neue Probleme brauchen neue Herangehensweisen.

Hier setzt das Philosophische Labor an: Ein Labor ist ein Ort, an dem man Neues ausprobiert. Ein Labor ist aber auch ein Ort der Arbeit, an dem man mit einem gewissen Langmut seine Ziele verfolgt und sich trotz Schwierigkeiten nicht vom Weg abbringen lässt. Sich den drängenden Fragen unserer Zeit zu nähern, kann ein langwieriges Unterfangen sein. Doch wenn wir unsere Welt mit gestalten wollen, dann haben wir keine andere Wahl. Und auch wenn wir die Verantwortung für unser eigenes Leben übernehmen wollen, müssen wir uns selbst und unsere Zeit gründlich hinterfragen: Was sind unsere wesentlichen Bedürfnisse im beschleunigten Wandel und wie können wir ihnen genügen?

Vor diesem Hintergrund hat das „Neudenken“ im Philosophischen Labor zwei Bedeutungen. Zum einen geht es darum, sich mit den komplexen, aktuellen Entwicklungen auseinanderzusetzen, um einen fundierten Standpunkt zu entwickeln. Zu diesem Zweck laden wir in den PRISMA-Veranstaltungen namhafte Experten ein, die in verständlicher Form über die neuesten technologischen Entwicklungen sprechen und Interessierten Zuhörern die Möglichkeit geben, sich kundig zu machen, zu hinterfragen und zu diskutieren.

Das „Neudenken“ ist aber auch ganz individuell aufzufassen. Menschen, die das Bedürfnis verspüren, ihr Leben aus anderen, aus frischen PERSPEKTIVEN zu betrachten, finden im Philosophischen Labor unterschiedliche Seminare, in denen erfahrbar wird, wie eng persönliche Lebensführung und Glück mit philosophischem Denken und Handeln verwoben sind.

In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinzuweisen, dass sich die Philosophie bei uns von der gängigen akademischen Variante in zwei Punkten unterscheidet. Es geht im Philosophischen Labor weniger darum, schwer verständliche Texte in schwer verständlichen Texten auszudeuten. Für uns ist es zentral zu erleben, wie grundlegend philosophisches Denken das eigene Leben bereichern kann.

Desweiteren hat es in der westlichen Philosophie eine lange Tradition, den menschlichen Körper als Erkenntniswerkzeug gering zu schätzen. Es spricht aber viel dafür, dass der Mensch ohne seinen Körper nicht so denken würde, wie er es tut. Deshalb ist die Zugangsweise bei uns ganzheitlich. Kopf und Körper werden im Philosophischen Labor als eine Einheit erfahren.

Marco Wehr